Warum steigende Zinsen Anleihekurse fallen lassen
Das Thema ist gerade besonders aktuell: Die Staatsschulden vieler großer Volkswirtschaften steigen, unter anderem in den USA und Deutschland. Entsprechend aufmerksam beobachten Anleger, wie viel Geld die Staaten künftig am Kapitalmarkt aufnehmen und welche Renditen sie dafür zahlen müssen.
Die Renditen von Staatsanleihen steigen – und gleichzeitig fallen die Anleihekurse. Das klingt zunächst widersprüchlich. Wie kann etwas mehr Rendite bringen und gleichzeitig weniger wert sein? Der Schlüssel liegt darin, dass Anleihekurs und Rendite untrennbar miteinander verbunden sind.
Ein einfaches Beispiel
Eine Staatsanleihe hat einen Nennwert von 1.000 Euro und zahlt jedes Jahr 30 Euro Zinsen. Ihr fester Kupon (das ist der feste Zinssatz) beträgt also 3 Prozent. An der Börse wird die Anleihe als Kurs in Prozent des Nennwerts notiert – zum Beispiel mit 100%. Das entspricht einem Preis von 1.000 Euro.
Nun verändert sich die Situation: Die Marktzinsen steigen, etwa weil Anleger höhere Renditen für neue Anleihen fordern. Will der Staat sich Geld am Finanzmarkt leihen und gibt deshalb neue Anleihen heraus, muss er höhere Zinsen zahlen, z. B. 5 Prozent. Anlegende bekommen also beim Kauf der neuen Anleihen attraktivere Zinsen als bei den alten Anleihen.
Warum sollte jemand dann noch 1.000 Euro für eine alte Anleihe bezahlen?
Wahrscheinlich würde sie niemand mehr zu diesem Preis kaufen. Die Nachfrage bricht ein, ihr Börsenkurs fällt. Das macht sie wieder attraktiver, denn:
Fällt der Kurs der alten Anleihe beispielsweise auf einen Börsenpreis von unter 100%, steigt ihre Effektivrendite für den Käufer an. Das ist die Gesamtrendite, die ein Anleger erhält, wenn er die Anleihe bis zum Ende hält.
Die Rendite steigt aus zwei Gründen:
- Die laufende Rendite steigt: Die festen 30 Euro Zinszahlung beziehen sich nun auf einen niedrigeren Kaufpreis. (Beispiel: Bei einem Kurs von 900 Euro sind 30 Euro ÷ 900 Euro = 3,33% laufende Rendite statt zuvor 3%.)
- Ein zusätzlicher Kursgewinn entsteht: Wer die Anleihe unter dem Nennwert kauft (zum Beispiel für 900 Euro), erhält am Ende der Laufzeit trotzdem die vollen 1.000 Euro zurück. Diese 100 Euro Differenz erhöhen die Gesamtrendite.
Übrigens: Wie stark der Kurs einer Anleihe bei einem Zinsanstieg fällt, hängt vor allem von ihrer Restlaufzeit ab: Je länger das Geld noch gebunden ist, desto empfindlicher reagiert der Kurs auf Marktveränderungen. Fachleute nennen das die Duration – grob gesagt: Je länger die Laufzeit, desto stärker fällt der Kurs bei Zinsanstieg.
Warum das bei steigenden Staatsschulden wichtig ist
Wenn ein Staat immer mehr Schulden aufnimmt, muss er häufig auch mehr Anleihen begeben. Anleger können dann eine höhere Rendite verlangen, etwa weil sie ein höheres Risiko sehen oder mit höherer Inflation und langfristig höheren Zinsen rechnen.
Steigen die geforderten Renditen am Anleihemarkt, geraten deshalb die Kurse bereits ausgegebener Anleihen unter Druck – wie bereits weiter oben beschrieben.
Kurz zusammengefasst:
Mehr Staatsschulden → höhere geforderte Renditen → alte Anleihen werden weniger attraktiv → ihre Kurse fallen
Wichtig ist aber: Steigende Staatsschulden führen nicht automatisch zu steigenden Renditen. Entscheidend ist immer, wie Anleger die wirtschaftliche Gesamtsituation und die Zahlungsfähigkeit des Staates einschätzen. Wenn Anleger Zweifel an der Zahlungsfähigkeit eines Staates bekommen, können die Renditen deutlich steigen – das nennt man Risikoaufschlag.
Wenn neue Staatsanleihen mit höheren Zinsen begeben werden, was bedeutet das für dich als Anleger oder Anlegerin?
Wenn du eine alte Anleihe bereits besitzt, ändert sich an deiner vereinbarten Zinszahlung nichts. Fällt ihr Börsenkurs, hast du auf dem Papier zunächst einen Buchverlust. Dieser wird erst dann zu einem tatsächlichen Verlust, wenn du die Anleihe vor ihrer Fälligkeit verkaufst.
Hältst du die Anleihe hingegen bis zum Ende der Laufzeit, bekommst du den vereinbarten Nennwert (im Beispiel 1.000 Euro) vollständig zurückbezahlt – vorausgesetzt, der Emittent bleibt zahlungsfähig. Zwischenzeitliche Kursschwankungen an der Börse können dir in diesem Fall völlig egal sein.
Das kannst du dir merken:
„Bei börsengehandelten Anleihen bedeuten höhere Renditen am Anleihemarkt grundsätzlich niedrigere Kurse – und umgekehrt."
Das ist kein Widerspruch, sondern der mathematische Mechanismus, durch den alte und neue Anleihen am Markt auf demselben Renditeniveau miteinander konkurrieren können.
Unter Quellen haben wir dir auch unser Video zum Thema Anleihen verlinkt.
Bildnachweis: Chatgpt
Quellen
FAZ, 19.08.2026: „Sind Anleihen endlich wieder ein Schutzschild fürs Depot?“. Renditeplus von Staatsanleihen: Bieten Anleihen endlich wieder Schutz fürs Depot? | FAZ
Finanztipp, 17.08.2026: „Was Du über eine Anlage in Anleihen wissen solltest“. Anleihen (Bonds) - Was sind festverzinsliche Wertpapiere?
BörsenXperts: https://www.youtube.com/watch?v=YUYGztK9bnc (Video)
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