Portfolio Rebalancing: Wenn das Depot aus dem Gleichgewicht gerät
Einmal investieren und dann nichts mehr tun? Ganz so einfach ist es nicht. Denn auch wenn wir unser Depot nicht anfassen, kann sich seine Zusammensetzung mit der Zeit deutlich verändern.
Steigen Aktien stark, während Anleihen schwächeln, wird aus einem ursprünglich ausgewogenen Depot plötzlich ein deutlich aktienlastigeres – und damit möglicherweise riskanteres – Portfolio. Genau hier kommt Rebalancing ins Spiel.
Die richtige Zielaufteilung festlegen
Bevor man investiert, sollte man sich überlegen: Was möchte ich erreichen? Und wie viel Risiko kann und möchte ich eingehen? Daraus ergibt sich eine persönliche Zielaufteilung für das eigene Portfolio.
Als klassisches Beispiel für ein ausgewogenes Portfolio gilt häufig eine Kombination aus Aktien und Anleihen, etwa 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen.
Wer zusätzlich Gold und Krypto berücksichtigen möchte, könnte beispielsweise mit folgender – rein beispielhafter – Aufteilung arbeiten:
- 55 % Aktien
- 35 % Anleihen
- 8 % Gold
- 2 % Krypto
Die genannten Zahlen sind keine Anlageempfehlung. Sie sollen lediglich zeigen, wie Rebalancing funktioniert.
Die einzelnen Bausteine haben unterschiedliche Aufgaben: Aktien sind ein wichtiger Rendite- und Risikotreiber, Anleihen bilden eher den defensiven Teil. Gold kann zur Diversifikation beitragen. Krypto ist dagegen ein besonders volatiler und risikoreicher Satellitenbaustein.
Warum Krypto besonders ins Gewicht fallen kann
Gerade bei Krypto ist eine kleine Gewichtung nicht automatisch gleichbedeutend mit einem kleinen Risiko. Finanzexperten weisen darauf hin, dass beispielsweise Bitcoin bereits bei einem relativ kleinen Portfolioanteil einen überproportionalen Beitrag zum Gesamtrisiko leisten kann.
Das zeigt: Beim Rebalancing kommt es nicht allein auf die prozentuale Gewichtung einer Anlageklasse an. Auch deren Schwankungsintensität und Beitrag zum Gesamtrisiko spielen eine Rolle.
Das Depot verändert sich – auch ohne unser Zutun
Nehmen wir an, ein Jahr vergeht. Die Aktienmärkte sind kräftig gestiegen. Krypto hat ebenfalls zugelegt. Anleihen haben sich nur mäßig entwickelt und Gold hat verloren.
Wir haben nichts verändert – aber unser Depot sieht nun beispielsweise so aus:
Ausgangsaufteilung:
- 55 % Aktien
- 35 % Anleihen
- 8 % Gold
- 2 % Krypto
Aufteilung nach einem Jahr:
- 63 % Aktien
- 29 % Anleihen
- 4 % Gold
- 4 % Krypto
Unser Portfolio ist damit risikoreicher geworden, obwohl wir selbst keine einzige Transaktion durchgeführt haben.
Das ist der entscheidende Punkt: Die Entwicklung der Märkte verändert die Gewichtung unseres Depots – und damit unter Umständen auch dessen Risiko.
Was bedeutet Rebalancing?
Rebalancing bedeutet, das Depot wieder näher an die ursprünglich festgelegte Zielaufteilung zu bringen. In unserem Beispiel könnten wir einen Teil der Aktien verkaufen und das Geld in Anleihen und Gold investieren.
Es gibt aber noch eine zweite Möglichkeit: neues Geld gezielt dort investieren, wo das Portfolio untergewichtet ist. Wer beispielsweise regelmäßig spart, könnte seine nächsten Sparraten stärker in Anleihen und Gold investieren, anstatt weitere Aktien zu kaufen.
Und natürlich ist auch eine Kombination möglich: Einen Teil der übergewichteten Aktien verkaufen und gleichzeitig neue Einzahlungen in die untergewichteten Anlageklassen lenken.
Die Vor- und Nachteile der drei Möglichkeiten
Übergewichtete Anlagen verkaufen:
Der schnellste Weg zurück zur ursprünglichen Zielaufteilung. Allerdings können dabei Transaktionskosten und möglicherweise Steuern entstehen.
Neue Einzahlungen umleiten:
Statt Anlagen zu verkaufen, können neue Sparraten gezielt in die untergewichteten Anlageklassen fließen. So sind keine Verkäufe nötig – allerdings dauert das Rebalancing meist länger.
Beides kombinieren:
Eine Kombination aus Verkäufen und gezielten neuen Einzahlungen kann ein flexibler Kompromiss sein. Sie ist allerdings etwas komplexer.
Wie oft sollte man das Depot überprüfen?
Eine einfache Möglichkeit ist, das Depot beispielsweise einmal im Jahr zu überprüfen. Eine andere ist eine vorher festgelegte Abweichung. Zum Beispiel: Erst wenn eine Anlageklasse mehr als fünf Prozentpunkte von ihrer Zielquote abweicht, wird gehandelt.
Beide Vorgehensweisen können verhindern, dass man wegen kurzfristiger Marktbewegungen ständig kauft und verkauft. Denn Rebalancing ist kein Versuch, den Markt vorherzusagen. Wenn Aktien stark gestiegen sind, verkaufen wir nicht, weil wir wissen, dass sie bald fallen werden. Wir verkaufen nur, weil ihr Anteil inzwischen größer ist, als wir ursprünglich geplant hatten.
Steuern und Kosten beim Rebalancing beachten
Wer übergewichtete Wertpapiere verkauft, kann dabei Gewinne realisieren. In Deutschland sind diese Gewinne in der Regel steuerpflichtig. Deshalb sollte man Steuern und Transaktionskosten bei einem Rebalancing berücksichtigen. Und genau deshalb sollte mannicht wegen jeder kleinen Abweichung handeln. Wenn beispielsweise eine Aktienquote von 55 auf 57 Prozent gestiegen ist, kann es sinnvoller sein, die nächsten Sparraten entsprechend anzupassen.
Rebalancing: Was wirklich zählt
Rebalancing bedeutet nicht: „Verkaufe, was gut gelaufen ist.“ Es bedeutet: „Sorge dafür, dass dein Depot weiterhin zu dem Risiko passt, das du bewusst eingehen möchtest.“ Wer sich einmal für eine bestimmte Aufteilung entschieden hat, sollte deshalb regelmäßig überprüfen, ob das Portfolio noch zum eigenen Plan passt. Und dabei geht es nicht nur um die Frage, wie viel von einer Anlageklasse im Depot steckt. Gerade bei Krypto sollte man auch berücksichtigen, wie stark diese Anlageklasse zum Gesamtrisiko beiträgt.
Rebalancing ist letztlich eine Frage der Disziplin: Einen Plan machen und ihm treu bleiben. Wenn das Portfolio diesen Plan nicht mehr widerspiegelt, kann es sinnvoll sein, entsprechend zu handeln.
Wichtiger Hinweis (Haftungsausschluss):
Die Inhalte auf diesem Blog dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Unterhaltung. Sie stellen keine Anlageberatung, keine Steuerberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten (wie ETFs, Aktien oder Altersvorsorgeprodukten) dar.
Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der bereitgestellten Informationen. Jede Geldanlage ist mit Risiken – bis hin zum Totalverlust – verbunden. Bitte trefft eure Finanzentscheidungen immer auf Basis eigener Recherche und im Zweifel nach Rücksprache mit einer qualifizierten Fachberatung. Ihr handelt auf eigenes Risiko.
Bildnachweis: Chatgpt
Quellen
Finanztip, 15.07.2026: „Alles Wichtige zur Abgeltungssteuer auf Aktien und ETFs“. https://www.finanztip.de/abgeltungsteuer/
Finanztip, 26.5.2026: „Wann Du Deine Geldanlagen umschichten solltest“. https://www.finanztip.de/geldanlage/rebalancing/
J.P. Morgan: „Bitcoin’s role in investing: What you need to know”. https://privatebank.jpmorgan.com/eur/en/insights/markets-and-investing/ideas-and-insights/bitcoins-role-in-investing-what-you-need-to-know?
Morningstar, 17.12.2025: “Is Crypto a Good Gift for Your 60/40 Portfolio?”. https://www.morningstar.com/portfolios/is-crypto-good-gift-your-6040-portfolio?
Finanztip, 14.11.2025: “So viel Steuern musst Du von Deinem ETF abdrücken“. https://www.finanztip.de/indexfonds-etf/etf-steuern/
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