Die Rentenlücke schließen mit dem Altersvorsorgedepot – Teil 3
Herzlich Willkommen zu Teil 3 – super, dass ihr drangeblieben seid. Als Autorin dieser Blogbeiträge muss ich ehrlich sagen: Mein jüngeres „Ich“ hätte schon längst aufgegeben und das Thema auf „Wiedervorlage irgendwann“ verschoben. Was mich, wie ihr in Teil 1 vorgerechnet bekommen habt, ziemlich viel Geld gekostet hätte.
Ihr macht es besser und habt jetzt verstanden, wie das Altersvorsorgedepot funktioniert. Jetzt geht es darum, wie ihr aus der Flut der Angebote im nächsten Jahr das für euch richtige findet. Vermutlich wird es eine breite Palette von Anbietern geben, von klassischen Banken und Versicherern bis hin zu Neo-Brokern. Bei allen Angeboten lohnt es sich wie immer das Kleingedruckte zu lesen. Die Ausgestaltung der Konditionen kann über Jahrzehnte hinweg bei der Rendite einen Riesenunterschied machen.
Wir haben auf den Internetseiten von Verbraucherschützern und Finanzexperten gestöbert und folgende fünf Punkte identifiziert, auf die ihr vor Abschluss eines AV-Depots achten solltet:
1. Die Gesamtkosten (Anspar- UND Auszahlphase)
Kosten fressen Rendite – das gilt vor allem für lange Zeiträume.
- Gedeckelte vs. freie Modelle: Für zertifizierte Standarddepots gilt gesetzlich eine Effektivkosten-Obergrenze von max. 1,0 % pro Jahr. Das ist immer noch relativ hoch. Wenn Anbieter das unterbieten – umso besser.
- Kosten der Auszahlphase beachten: Vergleicht nicht nur die Depotführungs- und ETF-Kosten während der Ansparphase. Vergesst nicht zu prüfen, welche Gebühren der Anbieter später verlangt, wenn er ab eurem 65. Lebensjahr den Auszahlplan verwaltet.
- Transaktionsgebühren: Werden für das Rebalancing, also wenn z. B. ETF-Anteile ver- oder gekauft werden, oder für Sparplan-Ausführungen zusätzliche Gebühren fällig?
2. Flexibilität bei der Fondsauswahl
Das AV-Depot ermöglicht es erstmals, bis zu 100 % in ETFs oder Investmentfonds anzulegen. Beachten müsst ihr bei der Auswahl lediglich die Risikostufe – mehr dazu findet ihr in Teil 1. Checkt vor Vertragsabschluss, wie breit das Angebot des Anbieters ist.
- Enge Partnerauswahl vs. freie Handelsplätze: Bietet der Anbieter nur eine kleine, vorgegebene Palette eigener (oft teurerer) Fonds an oder habt ihr vollen Zugriff auf günstige, breit gestreute Welt-ETFs (z. B. auf den MSCI World oder FTSE All-World)?
- Automatisiertes Lifecycle-Modell: Bietet das Depot – falls ihr euch nicht selbst kümmern wollt – ein intelligentes "Ablaufmanagement" an, das z. B. euer Geld kurz vor der Rente automatisch und schrittweise in risikoärmere Anlagen (wie Anleihen) umschichtet?
3. Bedingungen für die Auszahlphase (Optionen ab 65)
Welche Wahlmöglichkeiten ihr bei der Auszahlung habt, haben wir in Teil 2 erklärt, aber: Nicht jeder Anbieter bietet zwingend alle Auszahlungsmodelle an.
- Auszahlplan-Garantie: Stellt der Anbieter sicher, dass ihr ab dem 65. Lebensjahr flexibel zwischen einem rein monatlichen Auszahlplan (bis mind. 85 Jahre), der Leibrente und einer Teil-Einmalzahlung (bis 30 %) wählen könnt?
- Wechseloption zur Verrentung: Falls ihr ab Alter 85 eine Langlebigkeitsabsicherung wünscht: Bietet der Broker einen Partner-Versicherer an und zu welchen Garantiefaktoren (Rentenfaktor) wird das Restkapital dann umgewandelt?
4. Wechselgebühren und Übertragbarkeit
Möglicherweise möchtet ihr nach 10 oder 20 Jahren zu einem günstigeren Anbieter wechseln oder Verträge zusammenlegen.
- Wechselgebühren: Gesetzlich ist festgelegt, dass die Wechselgebühr bei einem Anbieterwechsel in den ersten fünf Jahren auf maximal 150 Euro gedeckelt ist und danach vollkommen kostenfrei sein muss.
- Depotübertrag: Prüft, ob ein Übertrag vorhandener ETF-Anteile zu einem neuen Anbieter möglich ist oder ob der Alt-Anbieter vorher alle Fonds liquidieren (verkaufen) muss.
5. Beitragsgarantien: Ja oder Nein?
Die Reform ermöglicht es, komplett auf Beitragsgarantien zu verzichten, um 100 % Renditechancen am Aktienmarkt zu nutzen.
- Manche konservativen Anbieter (meist Versicherungen) werden weiterhin Produkte mit 80 % oder 100 % Beitragsgarantie anbieten – auf Kosten der Rendite.
- Faustregel: Wenn ihr noch mehr als 10–15 Jahre bis zur Rente habt, fahrt ihr in der Regel mit Verträgen ohne Garantie deutlich besser, da Garantien das Geld in rentenarmen Anlagen festnageln. Macht euch aber auf jeden Fall vor dem Garantieverzicht klar, was das bedeutet: Ihr tragt das volle Risiko der Marktschwankungen. Um den Renteneintritt herum solltet ihr daher das Risiko von Marktschwankungen selbstständig reduzieren (z. B. über eine Umschichtung in Anleihen) oder es sollte über ein funktionierendes Ablaufmanagement reduziert werden.
Verbraucherschützer raten zudem, nicht überstürzt den erstbesten Vertrag abzuschließen, sondern erst einmal auf das staatliche Standardprodukt zu warten (mehr dazu findet ihr in Teil 1). Dieses Standardprodukt kann dann als Vergleichsmaßstab zur Prüfung der Angebote dienen. Und: Vorsicht bei Beratungsgesprächen auf Provisionsbasis, bei denen Berater und Beraterinnen am Abschluss verdienen. Diese Produkte sind häufig teurer.
Achtet zudem darauf, dass euch der Anbieter vor der Unterschrift ein standardisiertes Produktinformationsblatt aushändigt. Lest es aufmerksam durch und achtet vor allem auf die Effektivkosten und die Wechselgebühren.
Wir haben euch die Links zur Verbraucherzentrale und Finanztip unter den Quellen verlinkt – dann könnt ihr da noch tiefer einsteigen. Es hilft immer, sich eine Checkliste zu machen anhand derer ihr die angebotenen Verträge systematisch auf Kosten, Auszahloptionen, Produktpalette etc. abklopfen könnt. Nehmt euch ausreichend Zeit, bevor ihr etwas unterschreibt.
Bei all dem Aufwand stellt ihr euch vielleicht die Frage, ob es nicht einfacher wäre, mit einem „normalen“ Wertpapierdepot für euer Alter vorzusorgen.
Wir haben hier die Vor- und Nachteile AV-Depot/Wertpapierdepot zusammengefasst:
Das Altersvorsorgedepot
Vorteile:
- Die "Geschenk"-Rendite: Bis zu 540 € staatliche Grundzulage (und 300 € pro Kind) boosten deine Sparrate von Tag 1 an enorm.
- Brutto-Sparen: Die Beiträge können steuerlich geltend gemacht werden (Sonderausgabenabzug).
- Ungebremster Zinseszins: Weil innerhalb des Depots keine Steuern auf Dividenden oder Umschichtungen anfallen, arbeitet euer Geld über Jahrzehnte hinweg viel produktiver.
- Geld ist gefesselt: Wenn ihr vor 65 an das Geld wollt (z. B. für einen Autokauf), verliert ihr alle Förderungen. Das könnte man allerdings auch als Vorteil auslegen – ihr verbratet euere Altersvorsorge nicht für Konsum. Aber es bedeutet auch: Das Geld steht euch für Notfälle nicht zur Verfügung.
- Volle Besteuerung im Alter: Im Ruhestand versteuert ihr die gesamte Summe (inkl. Einzahlungen und Gewinne) mit eurem normalen Steuersatz, ohne Teilfreistellung auf Aktien.
Nachteile:
- Geld ist gefesselt: Wenn ihr vor 65 an das Geld wollt (z. B. für einen Autokauf), verliert ihr alle Förderungen. Das könnte man allerdings auch als Vorteil auslegen – ihr verbratet euere Altersvorsorge nicht für Konsum. Aber es bedeutet auch: Das Geld steht euch für Notfälle nicht zur Verfügung.
- Volle Besteuerung im Alter: Im Ruhestand versteuert ihr die gesamte Summe (inkl. Einzahlungen und Gewinne) mit eurem normalen Steuersatz, ohne Teilfreistellung auf Aktien.
Das normale Depot
Vorteile:
- Absolute Freiheit: Ihr entscheidet, was ihr kauft, wann ihr euer Depot auflöst und wofür ihr das Geld nutzt.
- Nur Gewinnversteuerung: Ihr versteuert nur die reinen Gewinne (nicht das eingezahlte Kapital, sondern Verkaufserlös minus Kaufpreis) und profitiert von der 30%igen Teilfreistellung bei Aktien-ETFs.
- Günstigerprüfung im Ruhestand: Liegt dein persönlicher Einkommensteuersatz im Alter (weil du z. B. weniger Gesamteinkommen hast) unter 25 %, kannst du beim Finanzamt die sogenannte Günstigerprüfung beantragen. Dann zahlst du sogar noch weniger Steuern als den regulären Abgeltungsteuersatz – die 30 % Teilfreistellung bei Aktien-ETFs bleibt dir dabei trotzdem erhalten.
- Keine Förderung: Ihr müsst jeden Cent aus eurem bereits versteuerten Nettoeinkommen ohne staatlichen Zuschuss selbst ansparen.
- Steuerbremse: Jedes Mal, wenn du Gewinne realisierst, dein Portfolio umschichtest oder du Dividenden bekommst, greift der Fiskus direkt zu, was deinen Zinseszins bremst.
Nachteile:
Die Verbraucherzentralen raten zum Gegenrechnen. Je nach persönlicher Steuersituation und den Kosten des AV-Depots kann ein normales Depot ohne Förderung unterm Strich mehr Rendite bringen. Einen entsprechenden Rechner findet ihr auf der Seite von „Finanztip“, die URL haben wir euch unter „Quellen“ verlinkt.
Wenn euch die Geldanlage an der Börse Spaß bringt, könntet ihr auch zwei parallele Depots anlegen. Das AV-Depot wäre dann eure staatlich geförderte Zusatzrente. Euer „normales“ Depot könntet ihr für mittelfristige Ziele nutzen oder auch für den Versuch, mit riskanteren Investments mehr Rendite zu erzielen. Das lohnt sich für euch allerdings nur, wenn ihr einen höheren Geldbetrag für Investitionen zur Verfügung habt. Und immer daran denken, rd. drei Monatsgehältern solltet ihr als Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto zurücklegen!
Danke, dass ihr bis zu Teil 3 durchgehalten habt. Wie immer gilt: Unser Blog ist keine Anlageberatung, sondern nur eine kleine Hilfestellung. Nehmt ihn daher als Anreiz für eigene Recherchen und nehmt eure Geldanlage eigenverantwortlich in die Hand.
Wichtiger Hinweis (Haftungsausschluss):
Die Inhalte auf diesem Blog dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Unterhaltung. Sie stellen keine Anlageberatung, keine Steuerberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten (wie ETFs, Aktien oder Altersvorsorgeprodukten) dar.
Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der bereitgestellten Informationen. Jede Geldanlage ist mit Risiken – bis hin zum Totalverlust – verbunden. Bitte trefft eure Finanzentscheidungen immer auf Basis eigener Recherche und im Zweifel nach Rücksprache mit einer qualifizierten Fachberatung. Ihr handelt auf eigenes Risiko.
Bildnachweis: Gemini ai
Quellen
Verbraucherzentrale.de: „Neues Altersvorsorgedepot: Renten-Chance oder teure Verkaufsfalle?“ https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/altersvorsorge/neues-altersvorsorgedepot-rentenchance-oder-teure-verkaufsfalle-118178
Finanztip.de: „Altersvorsorge-Depot: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Riester-Reform & AV-Depot oder Riester?“ https://www.finanztip.de/altersvorsorge/altersvorsorgedepot/
Finanztip.de: „Interaktiver Vergleichsrechner AV-Depot/Riester-Rente“ https://www.finanztip.de/altersvorsorge/altersvorsorgedepot-riester/
Finanztip.de: „Altersvorsorgedepot-Rechner“ https://www.finanztip.de/altersvorsorge/altersvorsorgedepot-rechner/
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