Die Rentenlücke schließen mit dem Altersvorsorgedepot – Teil 1
Während unseres Projekts „Young Finance“ in Kooperation mit dem Tagesspiegel stellten wir freudig überrascht fest, dass die GenZ sich schon jetzt mit der Altersvorsorge beschäftigt. Den meisten ist klar, dass ihre Rente nicht sicher ist und an der Geldanlage am Kapitalmarkt kein Weg vorbeiführt. Das hat auch der Staat erkannt und führt ab 1. Januar 2027 das neue Altersvorsorgedepot (AV-Depot) ein, mit dem Anlagen in ETFs und Fonds gefördert werden.
Der Einstieg in das Altersvorsorgedepot ist niedrigschwellig. Du musst kein Großverdiener sein, um vom Staat gefördert zu werden. Schon ab einem Mindestbeitrag von 120 € im Jahr (10 € im Monat) bist du dabei. Auf deine Einzahlungen legt der Staat 50 % drauf. Wenn du also 120 € einzahlst, erhältst du einen Zuschuss von 60 € im Jahr dazu. Das ist eine garantierte Rendite von 50 % auf deinen Eigenbeitrag.
Bist du bei der Depoteröffnung unter 25 Jahre alt, schenkt dir der Staat einmalig einen Extra-Bonus von 200 € für deinen Start an der Börse. Und wenn du es schaffst, den maximal geförderten Betrag von 1.800 € im Jahr (150 € im Monat) einzuzahlen, belohnt der Staat das mit einer Zuzahlung von 540 € im Jahr.
Falls du Kinder hast, gibt es zusätzlich 300 € pro Kind extra im Jahr.
Um auch Anlage-Muffel abzuholen, gibt es zwei Varianten. Wenn du dich nicht mit Börse und ETFs beschäftigen willst, wählst du das Standard-Depot. Dein Geld wird automatisch in zwei Bausteine aufgeteilt – einen sicheren Teil (z. B. Geldmarkt) und einen renditestarken Teil (weltweite Aktien-ETFs). Du bestimmst nur die Gewichtung (z. B. 80 % Aktien-ETF, 20 % Sicherheit). Damit die Gebühren deine Rendite nicht auffressen, sind die Kosten auf maximal ein Prozent pro Jahr gedeckelt.
Falls du deine Geldanlage selbst in die Hand nehmen möchtest, wählst du das Individual-Depot. Du suchst dir deine ETFs, Fonds und Anleihen komplett selbst aus einer staatlichen Positivliste aus. Bei den Gebühren gilt bei dieser Depot-Variante kein gesetzlicher Deckel – es gelten die normalen Konditionen deiner Bank oder deines (Neo)-Brokers. Einmal im Jahr solltest du prüfen, ob die Gewichtung noch passt. Das nennt man Rebalancing. Wie das geht, ist Thema eines unserer nächsten Blog-Beiträge.
Um dich vor extremen Risiken und Totalverlusten zu schützen, darfst du im Altersvorsorgedepot nicht in jedes beliebige Finanzprodukt investieren. Das Gesetz sieht eine strenge Positivliste bis maximal Risikoklasse 5 vor. Erlaubt sind breit gestreute Aktien-ETFs (z. B. auf den MSCI World oder FTSE All-World), aktiv gemanagte Investmentfonds, Geldmarktfonds und europäische Staatsanleihen.
Nicht investieren darfst du über das Altersvorsorgedepot in Einzelaktien (z. B. Apple oder Allianz), Kryptowährungen (wie Bitcoin) sowie spekulative Hebelprodukte, Optionsscheine und CFDs. So soll sichergestellt werden, dass dein Portfolio breit diversifiziert und nicht zu risikoreich ist.
Wie der Name schon sagt, unterstützt dich die Förderung dabei, für das Alter vorzusorgen. Daher ist das investierte Geld im Depot bis zu deinem 65. Geburtstag gesperrt. Greifst du früher darauf zu, verlierst du die staatliche Förderung. Es gibt jedoch eine große Ausnahme für Wohneigentum. Du darfst das Geld für den Kauf, den Bau oder die energetische Sanierung einer selbstgenutzten Immobilie verwenden. Allerdings geht das nur, wenn dein Wunschanbieter diese Option vertraglich unterstützt.
Am besten setzt du dich jetzt schon mit den Möglichkeiten des Altersvorsorgedepots auseinander, denn der wichtigste Faktor an der Börse ist Zeit. Je länger du anlegst, desto mehr profitierst du vom Zinseszinseffekt. Falls du dich jetzt wunderst, dass wir hier von Zins sprechen, obwohl ETFs oder Fonds keine Zinsen zahlen: Der mathematische Mechanismus ist bei Zinsen und Aktienrenditen identisch. Wenn dein Depot im ersten Jahr um 6 % steigt, wächst im zweiten Jahr nicht nur dein eingezahltes Geld, sondern auch der Gewinn aus dem ersten Jahr um weitere 6 % mit. Du erhältst also „Rendite auf Rendite“.
Nehmen wir an, du zahlst 150 € im Monat (1.800 € im Jahr) ein und erhältst die volle staatliche Zulage von 540 € im Jahr. Insgesamt fließen also jährlich 2.340 € in dein Depot. Wir rechnen mit einer realistischen, durchschnittlichen ETF-Rendite von 6 % pro Jahr:
Szenario A: Du startest mit genau 25 Jahren (40 Jahre Laufzeit)
- Deine Einzahlungen: 72.000 € (Eigenanteil) + 21.600 € (Staatliche Zulagen)
- Gesamteinzahlungen (Depotwert ohne Wertzuwachs): 93.600 €
- Dein Kontostand mit 65: ca. 385.000 € (bei einer angenommenen jährlichen Rendite von knapp über 5 %)
- Davon reiner Wertzuwachs (Rendite): ca. 291.400 €
Noch besser sieht es aus, wenn du den Vertrag noch vor deinem 25. Geburtstag abschließt (also mit 24 Jahren oder jünger), denn dann schenkt dir der Staat einmalig 200 Euro extra als Berufseinsteiger-Bonus. Deine staatlichen Zulagen würden sich dadurch im ersten Jahr von 540 Euro auf 740 Euro erhöhen.
Szenario B: Du wartest 10 Jahre und startest erst mit 35 (30 Jahre Laufzeit)
- Deine Einzahlungen: 54.000 € (Eigenanteil) + 16.200 € (Staatliche Zulagen)
- Gesamteinzahlungen (Depotwert ohne Wertzuwachs): 70.200 €
- Dein Kontostand mit 65: ca. 196.000 € (bei gleicher angenommener Rendite)
- Davon reiner Wertzuwachs (Rendite): ca. 125.800 €
Zehn verlorene Jahre bedeuten, dass du in Szenario B zwar nur 18.000 Euro weniger aus eigener Tasche eingezahlt hast, dir am Ende im Alter aber fast 190.000 Euro fehlen. Die verlorenen 10 Jahre haben dein Endkapital im Alter quasi halbiert.
Noch ist ein wenig Zeit bis zum Startschuss am 1. Januar 2027. Nutze das Jahr 2026, um dich mit den Grundlagen von ETFs vertraut zu machen und deine Finanzen zu ordnen. Je früher du bereitstehst, desto schneller arbeitet der Zinseszins für dich!
Nächste Woche vergleichen wir das Altersvorsorgedepot mit einem „normalen“ Wertpapierdepot, schauen uns an, was passiert, wenn du nichts mehr einzahlst und wie du dir das Geld aus dem Altersvorsorgedepot nach deinem 65. Geburtstag auszahlen lassen kannst.
Wichtiger Hinweis (Haftungsausschluss):
Die Inhalte auf diesem Blog dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Unterhaltung. Sie stellen keine Anlageberatung, keine Steuerberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten (wie ETFs, Aktien oder Altersvorsorgeprodukten) dar.
Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der bereitgestellten Informationen. Jede Geldanlage ist mit Risiken – bis hin zum Totalverlust – verbunden. Bitte trefft eure Finanzentscheidungen immer auf Basis eigener Recherche und im Zweifel nach Rücksprache mit einer qualifizierten Fachberatung. Ihr handelt auf eigenes Risiko.
Bildnachweis: Gemini AI
Quellen
Finanztip, 08.05.2026: "Riester 2.0: So funktioniert das geförderte ETF-Sparen". Altersvorsorgedepot – Funktionsweise, Förderung & Unterschiede
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