Der SpaceX-IPO: Wie Elon Musk einmal mehr die Börse aufmischt

Illustration im Stil einer Kinderzeichnung, die ein Rakete zeigt, die gerade abhebt. Gestrichelte Linien deuten die zwei Richtungen an, in die sie fliegen könnte: steil nach oben oder in einer Kurve zurück auf den Boden.

Was Elon Musk anfasst, ist per se gigantisch. Das gilt auch für den Börsengang von SpaceX. Im Vorfeld des für heute geplanten Initial Public Offering (IPO) sammelte Musk bereits 75 Milliarden US-Dollar bei Anlegern ein. Zum Vergleich: Die bisher größten IPOs lagen bei 33,2 Milliarden (Saudi Aramco) bzw. 30,5 Milliarden US-Dollar (Alibaba). Da das Gros der Anlageprofis der extremen Bewertung skeptisch gegenüberstand, setzte Musk vor allem auf Privatanleger – und die bissen an. Die Aktie war schnell überzeichnet, sodass am Ende nicht alle die begehrten Papiere erhalten werden.

Vielleicht sollten sich diejenigen, die leer ausgegangen sind, gar nicht zu sehr grämen. Denn Musk schert sich nur wenig um Aktionärsdemokratie. Zum einen hält er weiterhin eine satte Mehrheit an SpaceX, zum anderen kann er völlig unkontrolliert über seine eigene Vergütung entscheiden. Möglich machen das gelockerte NASDAQ-Vorschriften für Unternehmen, die von einem dominierenden Mehrheitsaktionär kontrolliert werden. Laut Börsenprospekt verzichten Anlegende zudem „unwiderruflich und bedingungslos“ auf ihr Klagerecht. Auch Sammelklagen sind tabu; Aktionärinnen und Aktionäre müssen stattdessen vor ein privates Schiedsgericht ziehen.

Der rechtliche Sitz von SpaceX liegt zudem im „Wilden Westen der Corporate Governance“: in Texas. Der US-Bundesstaat bietet besonders wirtschaftsfreundliche Regelungen, um die Ansiedlung von Großkonzernen zu forcieren – auch der Firmensitz von Tesla befindet sich bekanntlich dort.

Vermutlich wird der Kurs der Aktien beim heutigen Handelsstart dennoch ordentlich anziehen, denn das Angebot ist denkbar knapp: Zunächst kommen nur knapp fünf Prozent aller SpaceX-Aktien in den freien Handel. Den großen Rest halten weiterhin Elon Musk, frühe Risikokapitalgeber und Mitarbeiter. In den ersten Monaten gilt für diese Insider ein striktes Verkaufsverbot. Quartal für Quartal laufen diese Beschränkungen jedoch aus. Elon Musk selbst darf frühestens nach einem Jahr Kasse machen.

Im theoretischen Extremfall könnten so bereits nach einem halben Jahr 40 Prozent aller SpaceX-Anteile am Markt landen. Realistische Branchenschätzungen gehen eher davon aus, dass der Anteil der frei handelbaren Aktien Stück für Stück von den anfänglichen 5 Prozent auf 10 bis 20 Prozent ansteigen wird. Doch selbst dann müssten die Börsen zu den 75 Milliarden Dollar aus dem IPO weitere 150 bis 300 Milliarden US-Dollar auffangen. Geld, das womöglich aus anderen Investments abgezogen werden muss. Gut möglich also, dass das massive Angebot die Nachfrage irgendwann übersteigt und der Kurs der SpaceX-Aktie unter Druck gerät.

Wie auch immer sich der Kurs kurzfristig entwickelt – in der SpaceX-Aktie steckt enorm viel Fantasie. Davon können auch Anlegende profitieren, die nicht auf Einzelaktien, sondern auf Fonds oder ETFs setzen. Weil Musk im Vorfeld intensiv darum geworben hatte, die Index-Regeln anzupassen, öffneten viele Anbieter ihre紀Regularien für das Megaprojekt.

Beim Nasdaq 100 zählt normalerweise der gesamte Börsenwert. Bei SpaceX wird dieser nun auf das Dreifache des Streubesitzes (225 Milliarden Dollar) begrenzt. Dies sichert der Aktie von Beginn an einen Indexanteil von soliden einem Prozent. MSCI und FTSE nehmen SpaceX zwar ebenfalls schnell in ihre Weltindizes auf, berechnen aber regulär nur den reinen Streubesitz (75 Milliarden Dollar) – dort startet die Aktie daher mit einer geringen Gewichtung von rund 0,1 Prozent. Der S&P hingegen bleibt seinen strengen Regeln treu: SpaceX hat hier frühestens in 12 Monaten eine Chance auf Aufnahme, sofern das Unternehmen bis dahin hinreichend profitabel ist. Die Zukunft wird zeigen, ob das ETF-Anlegerinnen und -Anleger auf den S&P Rendite bringt oder Rendite kostet.

Ob ein Investment in SpaceX über Einzelaktien sinnvoll ist, bleibt letztlich eine individuelle Entscheidung: Die Aktie muss zum eigenen Risikoprofil und den persönlichen Anlagezielen passen.

Wer mehr zum Thema Börsengang wissen möchte, dem Empfehlen wir die Videos zum Thema. Wir haben sie unter Quellen für euch verlinkt.

 

Bildnachweis: Gemini AI

Quellen

Zeit, 11.06.2026, S. 19: „Start ins Geldall“

FAZ. 11.06.2026: „Was Anleger beim SpaceX-Börsengang beachten müssen“. https://www.faz.net/aktuell/finanzen/spacex-geht-an-die-boerse-was-anleger-jetzt-beachten-muessen-200917312.html

Zeit online, 10.06.2026: „Börsengang von SpaceX: „Warum die Euphorie um die Mega-Börsengänge trügt“. https://www.zeit.de/geld/2026-06/boersengang-spacex-openai-anthropic-finanzmarkt

 

Videos zum Thema Börsengang (damals noch unter dem Label „Börse Berlin 4U“):

Wie funktioniert ein Börsengang: https://www.youtube.com/watch?v=6aqzeR1-j8k

Die Schritte bis zu einem erfolgreichen Börsengang: https://www.youtube.com/watch?v=ci2Kkab-EEg

Was ist ein Wertpapier-Prospekt?: https://www.youtube.com/watch?v=2r7X_0wnDyo

Wie können Aktien gezeichnet werden?: https://www.youtube.com/watch?v=mhpGbKO23rY&t=10s

 

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