Finanziell frei mithilfe von Day Trading oder Swing Trading?
Auf Social Media werben viele Influencer mit einem scheinbar einfachen Weg zur finanziellen Freiheit: Day Trading oder Swing Trading.
Beim Day Trading werden Aktien, Kryptowährungen oder andere Wertpapiere innerhalb weniger Minuten oder Stunden gekauft und wieder verkauft – meist noch am selben Tag. Ziel ist es, von kleinen kurzfristigen Kursschwankungen zu profitieren. Beim Swing Trading bleiben Positionen dagegen mehrere Tage oder Wochen geöffnet, um größere Kursbewegungen auszunutzen.
Reich werden kann so einfach sein!
Schön wär´s. Forscher der Universität St. Gallen und des Swiss Finance Institute analysierten über mehrere Jahre hinweg tausende kurzfristig gehandelte US-Aktien. Das Ergebnis: Day Trader erzielten langfristig kaum bessere Ergebnisse als eine Seitwärtsrendite. Bezog man die Kosten mit ein, hätten sie mit einem simplen Investment in einen breit gestreuten Indexfonds sogar deutlich mehr Gewinn erzielt. Die Forscher schreiben: „Die Wahrscheinlichkeit, langfristig mit Daytrading systematisch erfolgreich zu sein, ist sehr gering.“
Zu ähnlichen Ergebnissen kamen brasilianische Ökonomen, die die Ergebnisse von mehr als 20.000 Daytradern untersuchten. 97 Prozent der langfristig aktiven Trader verloren Geld. Besonders bemerkenswert: Die Untersuchung zeigte außerdem, dass zunehmende Erfahrung oder längere Handelsaktivität keinen nachhaltigen Erfolg brachten. Statt besser zu werden, verringerte sich mit jedem weiteren Handelstag sogar die Wahrscheinlichkeit, Gewinne zu erzielen.
Das überrascht kaum. Moderne Finanzmärkte werden heute stark von professionellen Hochfrequenzhändlern dominiert. Diese Firmen verfügen über enorme technologische Vorteile und reagieren innerhalb von Millisekunden auf Marktbewegungen. Kurzfristige Ineffizienzen werden dadurch extrem schnell ausgenutzt. Für einzelne Privatanleger bleiben dadurch nur noch sehr wenige Chancen, kurzfristige Marktbewegungen dauerhaft gewinnbringend auszunutzen.
Aber vor allem: Welchen Anreiz hätte jemand, der über ein dauerhaft funktionierendes Handelssystem verfügt, dieses öffentlich in Kursen oder Coachings zu verkaufen? Denn je mehr Menschen dieselbe Strategie nutzen, desto schneller verliert sie ihren möglichen Vorteil am Markt.
Deshalb verdienen die Influencer ihr Geld in der Regel nicht mit Trading, sondern mit Kursgebühren, Coachings oder kostenpflichtigen Communities.
Um erfolgreich ein Vermögen aufzubauen, solltest du dein Mindset also von „ich will schnelle Gewinne“ ändern in „ich investiere langfristig“. Das klingt vielleicht langweilig, verspricht aber deutlich mehr Erfolg.
Bildnachweis: silvia_punto auf Pixabay
Quellen
Wirtschaftswoche, 24.04.2026, Nr. 18, S. 67 – 69: „Wie werde ich reich?“
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