Arbeit entlasten, Konsum belasten?

Illustration einer blonden Frau hinter einer Theke mit Kuchen und Kaffee im Angebot.

Vor etwas mehr als zwei Wochen sorgte ein Vorschlag aus der Politik für Aufsehen: Die Mehrwertsteuer könnte erhöht werden, um im Gegenzug die Einkommensteuer oder Sozialabgaben zu senken. Die Idee dahinter ist einfach: Der Staat nimmt mehr Geld über den Konsum ein und entlastet dafür die Arbeit. Einige Ökonomen sehen darin sogar eine Art „Vermögenssteuer durch die Hintertür“. Ihr Argument: Wenn Konsum teurer wird und Arbeit weniger belastet ist, verschiebt sich die Last stärker auf diejenigen, die viel ausgeben.

Doch nicht alle halten das für eine gute Idee. Sozialverbände warnen, dass vor allem Menschen mit geringem Einkommen schon jetzt unter steigenden Preisen leiden. Für sie würde ein weiterer Anstieg der Mehrwertsteuer den Alltag noch schwieriger machen. Auch der Einzelhandel sieht die Pläne kritisch. Viele Menschen halten sich beim Konsum ohnehin zurück – nicht zuletzt wegen Inflation und globaler Unsicherheiten. Höhere Preise könnten diese Zurückhaltung weiter verstärken.

Ein Blick ins Ausland zeigt: Deutschland liegt mit seiner Mehrwertsteuer von 19 Prozent im Mittelfeld. In der Schweiz sind es nur 8,1 Prozent, in Ungarn dagegen ganze 27 Prozent. Gleichzeitig gibt es in Deutschland einen ermäßigten Satz von sieben Prozent, etwa für Lebensmittel, Bücher oder Tickets im öffentlichen Nahverkehr.

Allerdings wirkt das System nicht immer logisch. Warum werden Schnittblumen niedriger besteuert als Topfpflanzen? Warum fällt auf einen Espresso der volle Satz an, auf eine Latte macchiato aber der ermäßigte? Solche Unterschiede sorgen seit Jahren für Kritik, weil sie oft willkürlich erscheinen.

Klar ist dagegen: Für den Staat ist die Mehrwertsteuer eine zentrale Einnahmequelle – wichtiger als viele andere Steuern. Schon eine Erhöhung von 19 auf 21 Prozent könnte rund 30 Milliarden Euro zusätzlich in die Kassen bringen. Dieses Geld könnten Bund, Länder und Kommunen nutzen, um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an anderer Stelle zu entlasten.

Doch genau hier liegt der Knackpunkt: Wird diese Entlastung für alle spürbar sein? Und reicht sie aus, um die höheren Preise im Alltag auszugleichen? Diskutiert wird auch, ob bestimmte Dinge des täglichen Bedarfs – etwa Lebensmittel oder der öffentliche Nahverkehr – im Gegenzug noch günstiger besteuert werden könnten. Das würde vor allem Menschen mit wenig Einkommen helfen. Wie viel von den zusätzlichen Einnahmen am Ende dann tatsächlich übrig bleibt, ist allerdings offen.

 

Bildnachweis: Marta Cuesta auf pixabay
 

Quellen

Wirtschaftswoche, Nr. 15, 02.04.2026, S. 10: „Der Staat shoppt mit“

Spiegel, 29.03.2026: „Spitzenökonom plädiert für höhere Mehrwertsteuer – unter einer Bedingung“. https://www.spiegel.de/wirtschaft/ifw-moritz-schularick-befuerwortet-hoehere-mehrwertsteuer-bei-entlastung-von-arbeit-a-76f4a856-7cdd-4c83-828f-c177b81e92a0

Tagesspiegel, 24.03.2026: „Experten sprechen von „vernünftigem Schritt“: Warum die Koalition mit dem Gedanken an eine Mehrwertsteuererhöhung spielt“. https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/experten-sprechen-von-vernunftigem-schritt-warum-die-koalition-mit-dem-gedanken-an-eine-mehrwertsteuererhohung-spielt-15394189.html (kostenpflichtig)

 

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