Reverse Yankee Bonds
Wenn US-Unternehmen wie Apple und Microsoft oder die USA selbst frisches Geld brauchen, können sie es sich am Finanzmarkt über Anleihen holen. Normalerweise begeben sie die Anleihen in US-Dollar. Wenn eine solche Anleihe an einer deutschen Börse gehandelt wird, dann wird sie jedoch in Euro gehandelt. Kaufe ich eine solche Anleihe, hole ich mir mit einem solchen Wertpapier ein Währungsrisiko ins Depot. Investiere ich einen „Reverse Yankee Bond“, fällt dieses Währungsrisiko weg, weil diese Anleiheart für den Finanzmarkt im Euro-Raum konzipiert ist und deshalb in Euro begeben wird. Die US-amerikanischen Gläubiger holen sich also Geld direkt aus Europa.
Für 2026 wird ein neues Rekordjahr für diese Deals erwartet, weil US-Tech-Giganten und Firmen massiv Kapital in Europa einsammeln. Warum ist das für die US-Player so interessant? Oft ist es für sie schlicht günstiger. Der Zinssatz von Anleihen orientiert sich am Leitzins. Während die US-Notenbank Fed 2026 die Zinsen nur vorsichtig senkt, hat die EZB die Zinsen für die Eurozone bei stabilen 2,00 % gehalten. Im Vergleich zur US-amerikanischen Leitzinsspanne von 3,50 % bis 3,75 % ist das deutlich günstiger. Außerdem betreiben sie damit „natürliches Hedging“: Wer in Europa viel verkauft und Euro einnimmt, nutzt diese Euro direkt, um damit frühere Euro-Anleihen zurückzuzahlen – ganz ohne Währungsrisiko.
Gibt es auch Nachteile für dich als Investorin oder Investor? Ja, schon. Das Währungsrisiko. Klingt komisch, aber: Jedes Risiko ist auch eine Chance auf eine höhere Rendite. Denn der Wechselkurs US-Dollar zu Euro kann sich nicht nur zu deinem Nachteil, sondern auch zu deinem Vorteil ändern. Investierst du in Anleihen, die in US-Dollar notieren und wertet der Euro gegenüber dem US-Dollar ab, steigt der Gewinn für dich, denn du investierst ja in Euro. Wertet der Euro gegenüber dem US-Dollar auf, schmälert das allerdings deinen Gewinn. Da die Rendite deines Investments vom Wechselkurs abhängig ist, unterliegt sie u.U. größeren Schwankungen. Hast du schlechte Nerven, ist dein Geld womöglich in einem Reverse Yankee Bond besser aufgehoben.
Fun Fact: Der Name „Reverse Yankee Bond“ ist eigentlich ein Insider-Witz aus der Finanzwelt: „Yankee Bonds“ sind Dollar-Anleihen von ausländischen Firmen in den USA. Wenn US-Player den Spieß umdrehen und in Europa Schulden in Euro machen, ist das eben der „Reverse Yankee“.
Bildnachweis: Gordon Johnson auf Pixabay
Quellen
ZDF heute, 19.03.2026: „Trotz hoher Energiepreise: EZB lässt Leitzinsen unverändert“. https://www.zdfheute.de/wirtschaft/ezb-leitzins-zwei-prozent-100.html
Binance.com, 12.02.2026: „Surge in Reverse Yankee Debt Sales Hits European Market“. https://www.binance.com/en/square/post/02-12-2026-surge-in-reverse-yankee-debt-sales-hits-european-market-290830241214322
Helaba, Inside Investment, Feb. 2026: Studie „BONDS BEYOND BORDERS“. https://www.insightinvestment.com/globalassets/documents/recent-thinking/global-corporate/glo---bonds-beyond-borders.pdf
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